Zurückgelassen

Die Sonne scheint und scheint dabei, als tue sie das nur für mich. Meine Schuhe hinterlassen Spuren im staubtrockenen Staub und  jedem Schritt folgt ein schläfriges Echo. Der Müll türmt sich friedlich neben dem leeren Papierkorb, die letzten Reste der Zivilisation. Eine Hängematte baumelt unbelegt im Wind. Kein Motorrad jault auf, kein Bauarbeiter brüllt, kein Festivalsound wummert durch die Luft. Ein Hund hat sein Haupt in das kühle Gras gelegt. Es gibt heute keine Jogger zu jagen.

Ab und zu startet ein Flugzeug in den westlichen Himmel, da drüben, wo Tegel immernoch steht. Flug um Flug trägt es die Menschen hinaus, die glauben, woanders wäre es schöner als hier. Zurück bleibt dampfender Asphalt und eine seltsam seltene Ruhe. Die Stadt hat sich am Sommer betrunken und schläft nun ihren Rausch aus. Ach Berlin, Du verwahrlostes Ding, einsam und zurückgelassen. Wie sehr gefällst Du mir heute.

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Im Vogelpark

Der Steinbrück, wie der Eichelhäher,
die machen sich das Leben schwer.
Sie krächzen, kreischen durch den Wald,
Von Ferne schon hört man sie bald.
Zerstören polternd Renommee,
Und treten jedem auf den Zeh.

Die Elster und die Merkelin,
sind beide sehr geschickt darin
Klammheimlich um die Eck‘ zu spitzen
Und Anderen Dinge zu stibitzen.
Ob Mietpreis oder Mindestlohn,
Die Angela, die hat es schon.

Die ganze bunte Vogelschar,
Ist außer sich im Wahlkampfjahr.
Die Grünen wollen Fleischwurst meiden,
Die Gelben wollen’s ihnen verleiden.
Klar kommt da gleich die Nazikeule,
Voll Schauer schüttelt sich die Eule.

Das Stimmvieh ist paralysiert,
Wird vom Geheimdienst observiert.
Doch weil das unsere Freunde sind,
Vertrauen wir auch denen blind.
Auf Twitter zwitschern alle froh,
Und senden Fotos vom Popo,
Der trotzig in der Sonne brennt,
Was? Wahlkampf ist? Der wird verpennt.

Da kann der Steinbrück noch so krächzen,
Wenn wir hier in der Sonne ächzen,
Was kümmert uns der Rest der Welt,
der Euro, das Betreuungsgeld?
Wir fühl’n uns alle vogelfrei,
trotz NSA und Schnüffelei.

So kommt es wie es kommen muss,
Das Vogelvolk wählt mit Genuss,
Die immer gleiche Merkelei,
Setzt sich ins Nest das selbe Ei.
Gestutzte Flügel sind doch besser,
als vollen Flugs ins offene Messer.
Zufrieden treten wir auf der Stelle,
Nur einer zittert – Westerwelle.

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Blau-gelbe Fußbälle

Es war schon wieder Montag und weder der Messias, noch der DHL-Mann waren bisher eingetroffen. Auf Facebook stritten sie darüber, ob Til Schweiger einen guten Tatort-Kommissar abgab und eine gesellschaftliche Randgruppe namens FDP hantierte in den Nachrichten mit einem blau-gelben Fußball umher.

Draußen auf der Straße stapelte sich himalayahoch der Schnee, wenige Tage nachdem der Frühling der Stadt einen gehässigen Besuch abgestattet hatte, nur um sich danach für eine weitere Ewigkeit wieder zurückzuziehen. Was für ein lausiges Leben, grummelte der Ordnungsamtsmitarbeiter in die kalte Prenzlauer-Berg-Luft hinein und versuchte, seine vom Strafzettel eintippen klamm gewordenen Finger durch verzweifltes Anhauchen aufzuwärmen.

Die Welt zu retten würde heute schwer werden, ahnte ich und auch der Rest der Woche versprach wenig Gelegenheit dazu. Vielleicht sollte man auch erstmal kleiner anfangen, einen Kaffee trinken oder zwei. Nur keine Geschäftigkeit vortäuschen, wo sie nicht angebracht wäre. Immerhin befand ich mich in guter Gesellschaft mit den allermeisten Menschen auf dieser Erde. Oder wenigstens in dieser Stadt.

Solange die uns mit ihren Fußbällen nicht länger belästigten, würde alles halb so schlimm und vielleicht auch noch ein weiterer Wintereinbruch zu ertragen sein. Der Mensch wird schließlich duldsamer mit jedem Tag, der vergeht. Wichtig ist nur, dachte ich, dass man den Moment nicht verpasst, an dem man wirklich mal was unternehmen muss.

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Stecker steckt

Ich habe viel nachgedacht und weil ich so viel nachgedacht habe, habe ich nichts mehr geschrieben. Da war nichts, was unbedingt rausmusste, anders als bei ungefähr einer Million anderer Menschen, die ich täglich stattdessen gelesen habe, im Netz, in Zeitungen, in Büchern und mich dabei gefragt habe: warum haben die eigentlich alle ständig was zu sagen?

Irgendwann hatte ich dann das Gefühl, dass es anderen auch so geht, dass sie auch um Worte ringen, ihnen nichts mehr einfällt, zur Lage der Nation oder zu ihrer eigenen. Oder dass sie wütend darüber wurden, dass niemand sie noch lesen wollte und sowieso keiner zuhört, aber ein Wunder war das auch nicht, denn wenn alle reden, wer soll da noch zuhören? Es wurde zu einer Art Trend, den Stecker zu ziehen, Facebook-, Twitter-, Internetabstinenz.

Ich habe den Stecker nicht gezogen, im Gegenteil, ich war die ganze Zeit dabei und habe mich immer weiter vom Lärm betäuben lassen. Von Wutbürgern, Was-zu-sagen-habern und Wichtigtuern habe ich mich ablenken lassen von dem, was ich eigentlich beim Lesen und Schreiben mag: Die Schönheit der Gedanken und Worte. Überraschende Einsichten, gelungene Kompositionen, Poesie, Geist.

Ganz langsam kommt das alles zurück, ich empfinde wieder den Unterschied. Und ich mag das.

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Mensch, ärgere Dich nicht!

Du bist dran!

Du bist dran!

Brettspiele sind nicht so meine Sache. Ich mag den Moment nicht, ab dem sie vorhersehbar werden. Wenn fest steht, wer Gewinner und wer Verlierer ist und an dieser Ordnung nichts mehr verändert werden kann, wird es meist langweilig. Auch glaube ich, dass das Spielen den Menschen nicht gut tut. Wer spielt, denkt immer nur an den nächsten Schritt. Er berechnet und wägt ab, aber er schaut nie zurück und das schränkt seine Sicht sehr ein. Wer zu oft spielt, hat keine Zeit, zu fühlen.

Aber was will ich tun, wenn um mich herum ein riesiger unendlicher Spieleabend namens Leben tobt? Kann ich mich da wirklich raushalten? Ich kann, aber was wird dann aus mir? Ich werde zu Jener, die nicht mehr mitspielen darf. Und das will ich natürlich nicht sein, denn schließlich, auch wenn ich es nie zugeben würde, sehne auch ich mich heimlich nach dem Rausch des Gewinns. Und nur wer mitspielt, kann gewinnen.

Es ist das Dilemma zwischen der Vorstellung endlich vollkommen frei zu sein und der Sucht, dazugehören zu wollen. Mitreden, auch wenn die Zunge müde ist, einmischen, auch wenn es Dich nicht wirklich interessiert, Energie verschwenden, die Du gut für Besseres gebrauchen könntest. Auch wenn Du gar nicht weißt, was das sein könnte. Das nennt man dann wohl, Mensch sein, ein soziales Wesen.

Und dann, während ich noch über die Anstrengung nachdenke und versuche, sie zu hinterfragen, bin ich schon mittendrin. Ich nehme den Würfel und schleudere ihn über den Tisch. Keine sechs. Schon wieder nicht. Aber eine fünf. Immerhin. Und das Feuer kehrt zurück in meine Augen und in mein Herz. Jetzt wird es mein Spiel! Ich bin wieder dabei. Und ihr solltet Euch in Acht nehmen!

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Kreative Pause

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