Im Wunderland

Irgendwo hinterm Regenbogen, am anderen Ende der Torstraße fragt der polnische Versager plötzlich, ob wir Ecstasy bräuchten, wir sähen so müde aus. Als ob das noch was bringen würde. Nein, wir würden jetzt wirklich gern gehen, was aber nicht funktioniert, weil der Pyromane uns in ein Gespräch verwickelt. Über Feuerwerke in Singapur. Oder Bangkok? Naja egal, jedenfalls sind neulich dabei welche in die Luft geflogen. Aber das war in Vietnam. Hier darf man keine richtigen Feuerwerke veranstalten, nur so Babykram. Der Pyromane, der eigentlich Lehrer ist (von Feuerwerken kann man hierzulande ja nicht leben) würde gern noch mehr erzählen, aber dann wäre der Kurzfilmregisseur am anderen Tisch bestimmt eifersüchtig. Der schaut auch schon ganz scheel zu uns rüber. Wir müssen dringen gehen, sonst kommen wir hier heute nicht mehr weg. Oder ist schon morgen? Der polnische Versager schaut melancholisch. Er findet, betrunkene Menschen erzählen so langweilige Sachen. Und führten sich auf, als ob sie jahrelang eingesperrt gewesen seien und heute zum ersten Mal nach langer Zeit rausdürften. Überhaupt tanzt keiner hier, das findet er komisch. Pizza oder Pommes, fragt er. Wir verabschieden uns. Auf dem Weg nach Hause kommen uns viele Fragen in den Sinn. Warum trug die Vogelscheuche mit den knalligen Lippen eine Sarrazinbrille? Und hat sie überhaupt irgendeinen unserer Sätze verstanden? Und warum tut man heutzutage so viel Gemüse in den Drink? Handelt es sich in Wahrheit um einen Salat?  Mit Alkohol? Warum kriegen Franzosen freien Eintritt in die Sowjetunion? Woher kam der verrückte Hutmacher und wohin ging er? Er sah aus wie eine Mischung aus Slash und einem Lederkoffer und alles, was er tat war, verwirrt zu grinsen. Ob er zwischen den Universen hin und her wanderte? Wir brauchen noch ein Getränk, um runterzukommen und fallen bei der Barprinzessin ein. Sie begrüßt uns mit Lächeln, wir stehen Kopf vor Glück. Sie ist der Sonnenschein der Nacht, die wahre Fee im Wunderland. Sie setzt uns zum Currykönig an den Tisch, der die Welt kennt, wie sie wirklich ist. Er erzählt vom Imbisskrieg und wir schwören, nirgendwo anders mehr zu essen, als bei ihm. Wir sind schließlich die Guten. Das weiß auch die Barprinzessin und deshalb trinkt sie noch einen Kurzen mit uns mit. Irgendwann schaffe ich es tatsächlich nach Hause. Das Handy piept: „Berliner Nächte sind wie Schnee auf dem Zuckerhut. Wer das aufgibt, muss wahnsinnig sein!“

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