Wie mag Frau Enke sich fühlen…

…jetzt wo ihr jeder erklärt, warum ihr Mann sich das Leben genommen hat? Sie, die ihm vermutlich am nächsten stand und sich nun mit dem Gedanken quält, ob sie irgendetwas hätte anders machen können. Muss es für sie nicht wie ein Vorwurf klingen, wenn Fußballfunktionäre, Politiker und Journalisten jetzt sagen, es habe Gründe gehabt, dass er sich vor einen Zug geworfen hat? Es habe am Leistungsdruck im Fußball, an der Angst, seine Krankheit öffentlich zu äußern, am angeblichen Tabu Depression gelegen?

Wer zwanghaft nach Gründen für einen Suizid sucht, hat nicht begriffen, dass es keine äußerlich nachvollziehbaren Gründe für eine solche Tat gibt. Es gibt niemanden, der einem in diesem Moment helfen kann. Nicht, weil niemand da ist. Sondern weil man niemanden mehr an sich heran lässt. Weil man diese Entscheidung mit sich trifft, ganz allein.

Für Angehörige ist der Selbstmord eines geliebten Menschen brutal. Die schlimmste Frage, die man sich stellt, ist die, ob man es hätte verhindern können. Schlimmer wird es nur noch dadurch, dass einem alle anderen indirekt dieselbe Frage stellen: warum hat er das denn gemacht? Um wieviel schlimmer muss es erst sein, wenn ganz Deutschland einem diese Frage stellt?

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