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Wunschliste
Dass ich die Stille sehr gern mag und sie andererseits kaum ertragen kann, muss kein Widerspruch sein. Das Leben schwankt ja meist zwischen unendlichem Stress und tödlicher Langeweile. Und meistens fehlt immer das, was gerade nicht da ist.
Grundsätzlich sollte mehr Sand da sein. Überall da, wo es laut wird, anstrengend, nervtötend, überflüssig. Da könnte ein bisschen weicher Sand zwischen den Zehen nicht schaden, denn er würde das Gefühl zurückbringen, dass man hat, wenn man plötzlich weiß, worum es eigentlich geht. Sand also. Und wenn es auch sentimental, ja beinahe kitschig klingt: Wind ist auch nie schlecht. Wind und ein bisschen Regen im Gesicht, aber er muss genau vom Meer kommen, vielleicht sogar ein wenig nach Salz schmecken. Aber nur so viel, dass man ahnt, dass das um einen herum kein schlechter Film sondern nur das Wetter ist.
Ginge das? Wäre das vielleicht möglich? Ich würde das gern so bestellen.
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Höhlengleichnisse
Ein alter Freund aus der Schulzeit schrieb mir: “Wir Menschen sind schon merkwürdige Wesen, wie in Platos Höhlengleichnis ziehen wir das dunkle Loch unserer Verkennungen, Einbildungen und Wünsche im Zweifelsfalle dem grellen Licht der Wirklichkeit vor. Bis die uns einholt.”
Das mag richtig sein, habe ich mir gedacht, aber warum sollte das merkwürdig sein? Der Mensch neigt zum Selbstbetrug aber was wäre das Leben ohne diese Möglichkeit der Flucht? Wer sagt denn, dass es neben all unseren subjektiven Realitäten auch noch eine objektive gibt? Am Ende ist ja doch jede unserer Wirklichkeiten menschengemacht, dadurch, dass wir sie uns und anderen erklären.
Aufhören zu träumen, davon, dass es irgendwann besser wird, auch wenn unsere Erfahrung uns eigentlich lehren müsste, dass es das nicht wird: welch traurige Vorstellung. Traurig, weil die Realität bar jeder Träume so roh und kühl und farblos ist, dass das Schönste in uns stirbt. Die Vorstellungskraft von etwas Anderem, Besserem, irgendwie Höherem. Dem unbedingten Glauben daran, dass es das gibt und vor allem, dass wir es auch verdient haben.
Der Realität nüchtern und mit Vernunft ins grelle Angesicht zu blicken, wäre wie aufgeben. Und Aufgeben gilt nicht.
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Kofferdrama
Und dann steht der Koffer da, so vorwurfsvoll, weil leer und tut so als könnte ich irgendwas daran ändern. Vor wenigen Tagen zog ich ihn auf seinen Rollen durch ein fremdes Land. Das war das, wozu er gemacht war, auf Rollen durch fremde Länder gezogen zu werden. Nicht hier in der Wohnung zu stehen und einzustauben. Den ganzen Tag zu warten, dass etwas passiert, vielleicht ein neuer Aufbruch. Stattdessen: Stillstand. Und das sagt er dann auch so. „Du lässt mich hier versauern. Schon wieder.“ Und ich zucke mit den Schultern und schaue ihn traurig an. Traurig, weil sein Anblick mir leid tut und weil ich es eben nicht ändern kann.
Weil zurückgekommen werden muss, irgendwann, weil das Geld sonst nicht reicht und weil man hier doch ein Leben hat. Irgendwie. Und überhaupt. Was bildet er sich ein, was er ist? Ein Abenteurer, ein Jules Verne? Ein Um-die-Welt-Reisender mit verwegenem Blick? Ich lache ihn aus. „Ein Rollkoffer bist Du. Ein bourgeoises Stück Kiste, in dem man seine armseligen Habseligkeiten verstaut und versucht, wenigstens ein bisschen Bequemlichkeit mit in die unbequeme Welt zu schleppen. Ganz und gar unpraktisch und dann dieses schrille Rot. Bist Du Dir nicht selbst ein bisschen peinlich?“ Mein Lachen wird laut.
Sein Zusammenzucken übersehe ich. Sein stolzes Rot wird plötzlich bleich. Eine Träne rollt ihm aus dem Reißverschluss und erst jetzt bemerke ich, wie sehr ich ihn mit meinem Hohn verletzt habe. Ganz schnell tut es mir wieder leid, doch er lässt sich nicht trösten. Jeder Beschwichtigungsversuch endet in einem neuen Schluchzen. Und noch während ich mich reuig zeige, denke ich gleichzeitig “Dramaqueen”. Mein Koffer ist einfach nicht für die Härten des Lebens gemacht. Ich bringe ihm morgen ein Stück Kuchen mit und hoffe, er kriegt sich wieder ein.
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Ereigniskarte
Gehen Sie zurück auf Los.
Ziehen Sie 2000 Mark ein.
Buchen Sie ein Flugticket in den Süden.
Lassen Sie das Schlechte hinter sich.
Das schlechte Wetter, die schlechte Laune, die schlechten Nachrichten.
Entspannen Sie sich, während das Flugzeug abhebt.
Lesen Sie ein Magazin. Ohne schlechte Nachrichten.
Lesen Sie die Klatsch- und Make-Up-Seiten.
Vergessen Sie Atomkraftwerke und Kriege.
Steigen Sie aus dem Flugzeug aus in ein Land,
das weder Atomenergie noch Kriege hat.
(zumindest offiziell).
Gehen Sie an den Strand.
Atmen Sie den Wind, der vom Mittelmeer kommt.
Vergessen sie. Vergessen Sie alles.
Fahren Sie nach Jerusalem.
Lernen Sie die friedensstiftende Kraft
Der drei Weltreligionen kennen.
Sortieren Sie sich neu.
Ordnen Sie die Gedanken.
Laufen Sie. Laufen Sie immer weiter.
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