80 Tage

Als das Glück auf Weltreise ging, da blieb es 80 Tage weg.
Es hatte sich heimlich davon geschlichen, über Nacht.
Und als ich aufwachte, war es nicht mehr da.

Die Zeit verging gleichgültig.
Ich schob sie beiseite und lenkte mich ab.
Ein quengelndes Kind war es gewesen, an meinen Nerven hatte es gezehrt,
redete ich mir ein und fuhr damit gut.

Ich ordnete mein Leben neu, ich fuhr wieder Rad.
Ich kaufte Möbel und ging abends aus.
Ich brauchte es nicht mehr und dachte nie nach.
Denn denken strengte mich zu sehr an.

Ich schaute nachts nicht aus dem Fenster,
weil draußen nichts war, das zu sehen sich lohnte.
Es kam viel Schnee und er ging nicht mehr fort.
Und manchmal da war es, als fröre ich ein.

Dann kam der Tag, wo es anrief und zaghaft mich fragte,
ob ich noch Platz für es hätte.
Es wäre zurück und ich zuckte mit den Schultern.
Denn was anderes fiel mir nicht ein.

Dann stand es vor der Tür, die Koffer voller Dinge.
Allein sei es gewesen, die ganze Zeit, die Welt sei bunt,
sagte es mir.
Und fing an zu erzählen, aber ich blieb stumm.

Ich legte die Platten auf, die ihm gehörten,
das Glück breitete sich wieder aus.
In meinem Leben, in meiner Wohnung,
es wollte nun bleiben, versprach es mir.

Doch das Glück, es hatte sich verändert.
Es war älter geworden und ich traute ihm nicht.
Und je größer es wurde, desto mehr tat es weh,
dass es so lange weggewesen war – ohne mich.

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