Böse Menschen auf der Straße

Menschen, die dich auf der Straße anquatschen sind böse! Sie sind die Ursuppe der Boshaftigkeit, direkt dem Hause Satans entsprungen.

Nein, ich rede nicht von armen, ahnungslosen Touristen, die einen nach dem Weg fragen. Auch nicht Obdachlose, die mir ’ne Zeitung verkaufen wollen. Ich rede von Leuten, die mit selbstgebastelten Wandzeitungen, die sie zu einem Stand zusammengezimmert haben in Fußgängerzonen oder auf Fußwegen stehen und gezielt Leute anquatschen, die aussehen, als würden sie sich bequatschen lassen. Ihr einziges Ziel ist es, diesen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Zum Beispiel der Büso-Typ vor der Post in Pankow. Wenn Du das hier liest, Büso-Typ, das geht an Dich. Du bist ne janz fiese Möpp! Würde noch ganz andere Bezeichnungen für Dich finden, aber ich bin mir nicht sicher, wie das mit öffentlichen Beleidigungen so ist.

Der Büso-Typ vor der Pankower Post hat seinen Standort strategisch gewählt. Hier laufen Horden von Menschen vorbei, die vom Winter und vom System sowieso die Schnauze voll haben. Sie sind entweder die letzten zehn Jahre arbeitslos gewesen oder urlaubsreif. Die allermeisten aber sind Rentner. Blasse Rentner in dicken beigefarben Jacken und mit Plastiktüten voller Ein-Euro-Schnäppchen. Die sind seine Zielgruppe. Die fragt er, ob sie eigentlich schon wüssten, dass heutztage alles so schlimm sei.

Er redet von der sozialen Ungleichheit unserer Gesellschaft, von der nächsten Finanzblase, die bald platzt, von der Inflation, von Hunger und Not, die uns allen drohen, von dummen Menschen im Bundestag, von der Jugend, die sich nicht mehr engagiert und unpolitisch ist, ja die in den Universitäten verdummt wird, von der Ästhetik des Humanismus und von Obama, der sowieso schlimmer ist als Hitler und Stalin zusammen.

Mit seiner Masche wickelt er fast jeden Rentner vor der Pankower Post ein. Er redet einfach so lange auf sie ein, bis sie sich nicht mehr wehren können. Dann sagt er ihnen, sie sollen Zeitungen und Bücher kaufen und natürlich spenden. Für die Büso. Weil das die einzigen sind, die nicht von der Lobby gesponsert werden und die ihre Interessen – nämlich die der Pankower Bürger – vertreten. Und die Rentner kaufen und spenden. Weil sie nämlich nicht anders können. Weil sie ihm nämlich recht geben müssen, dem gebildeten jungen Mann dort vor der Post. Der einzige seiner Generation, der sich noch für die Zukunft einsetzt.

Und das ist böse! Ich habe es erlebt. Er hat mich angequatscht. Ich wollte weitergehen, doch ich war nicht allein unterwegs. Meine Oma war bei mir. Und sie hat eine Schwäche für selbsternannte Sozialkritiker und Weltenretter. So wie vermutlich viele in ihrer Generation. Ich wollte sie weiterziehen, aber sie blieb stehen. Und damit waren wir gefangen in diesem widerlichen Kokon aus Parolen und Gedöns. Und ich rollte nur mit den Augen, aber je mehr er merkte, dass bei mir nichts zu holen war, desto mehr konzentrierte er sich auf meine Oma. Bis sie ihr Portemonnaie zückte. Und ich sagte ihr, steck es wieder ein. Aber sie wollte diese Zeitung da kaufen. Und weil sie kein Kleingeld hatte, kaufte ich die Zeitung.

Und hinterher hätte ich mich ohrfeigen können dafür. Weil mir bewusst wurde, was für eine eklige Masche das ist. Diese Leute sind ja dafür ausgebildet, einen so lange zuzutexten, bis man sich quasi nur noch freikaufen kann. Für jedes Argument hat er ein Gegenargument. Das ist trainiert. Und er will weder die Welt retten, noch sonst irgendwas. Er will alte Leute abzocken.

In Leipzig standen alle Nase lang solche Typen in der Fußgängerzone rum. Da habe ich gelernt, schnell vorbei zu gehen und mich von niemandem, aber wirklich NIEMANDEM anquatschen zu lassen. Außer von Touristen. Und von Obdachlosen, die mir ’ne Zeitung verkaufen wollen (obwohl, meistens sagen die ja gar nichts). Aber niemals von so Leuten, die so tun als seien sie irgendwie wohltätig. Die lügen nämlich. Immer! Und deshalb:

Fragt mich nicht, ob ich über den Tierschutz reden will. Fragt mich nicht, ob ich eigentlich schon wüsste, dass ich vom Staat überwacht werde. Fragt mich nicht, ob mir bewusst sei, dass diese Bundesregierung meine Zukunft verzockt. Fragt mich einfach NICHTS. Quatscht mich nicht an. Nie! Zu keinem Zeitpunkt!

Wenn ich mit euch reden will, dann ruf ich euch an! Nummer kann ich ja googeln.

Dieser Beitrag wurde unter Der Osten, Politisches abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

0 Antworten zu Böse Menschen auf der Straße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.