10.12.2009 Irgendwo über dem Atlantik

Ich fliege dem Sonnenuntergang hinterher. Klingt kitschig, oder? Aber während ich fliege, merke ich, wie sich die Grenzen verschieben. Sobald eine Reise beginnt, ist es bei mir immer so, dass das, was meinen Alltag bestimmt hat, die Gedanken, die Sorgen, alles, was eben noch so wichtig erschien, von mir abfällt. Plötzlich ist da nur noch der Weg und das Ziel. Nichts anderes zählt mehr, Ich steige in ein Flugzeug und bin schon ganz und gar weg.

Ich bin auf dem Weg nach Atlanta, Georgia. Es ist meine erste Reise in die USA. Zwei Plätze neben mir sitzt ein stiller US-Amerikaner und liest. Der Platz zwischen uns ist frei, das ist komfortabel, da wir all unsere Essensreste und unseren Lesestoff auf dem Sitz und dem Klapptisch verteilen können. Ein stiller Amerikaner. Vielleicht ist er gar kein stiller Mensch, aber zumindest hat er mich noch nicht angesprochen. Untypisch für einen Amerikaner.

Es ist jetzt etwa 20.30 Uhr. Um genau diese Zeit werde ich in Atlanta landen. Bei sechs Stunden Zeitverschiebung heißt da also, dass ich noch sechs Stunden Flugzeit vor mir habe. Das ist eine lange Zeit. Bevor mir gar nichts mehr einfällt, was ich tun könnte, sollte ich vielleicht ein bisschen schlafen. Oder mich mit dem freundlichen, stillen Amerikaner unterhalten. Aber er liest gerade. Ich will ja nicht aufdringlich sein.

Auf den Bildschirmen laufen jedenfalls keine brauchbaren Filme. Ich bin ja schon ein bisschen enttäuscht, dass es bei Air France keine individuelle Videoauswahl gibt, wie etwa bei meinem letzten Flug mit KLM. Stattdessen hat irgendjemand, der einen furchtbar schlechten Filmgeschmack hat, eine Reihe von Filmen ausgesucht, die nun auf allen Bildschirmen laufen. Es gibt nur die Auswahl zwischen friß oder stirb, den Kopfhörer aufsetzen und mithören oder es sein lassen. Und das, wo ich doch ins Land der Freiheit reise.

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