(Q)wählerei

Schon wieder ist Wahl, diesmal aber so richtig und wichtig. Wenn die bisherigen Europa-, Landtags- und Kommunalwahlen im Laufe dieses Jahres nur der Trailer waren, so ist die Bundestagswahl am Sonntag der Blockbuster. Ein ziemlich müder, muss man dazu sagen, denn so richtig vom Hocker gerissen hat uns der Wahlkampf ja nun nicht wirklich. Ich möchte weitergehen und behaupten, dass er mich geradezu stumpfsinnig gemacht hat, meine Neuronen in Watte gepackt und somit daran gehindert hat, irgendetwas Vernünftiges zu denken und geschweige denn, mir irgendeine Meinung zu bilden.

Aber nun ist es ja vorbei mit dem Wahlkampf und irgendwann in den nächsten Wochen werden wir dann auch eine neue Regierung begrüßen dürfen („Moin moin“), die höchstwahrscheinlich die alte sein wird. Warum ich das denke? Ich habe keine Ahnung, aber ich habe in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit meinen hellseherischen Fähigkeiten machen können, ein kleines Hobby von mir, das mir vielleicht irgendwann auch mal die Miete für meine dann vorhandene Charlottenburger Hundertquadratmeterwohnung zahlen wird.

Ich weiß im übrigen immernoch nicht, wem ich meine kostbare Stimme geben soll, das liegt aber vor allem auch daran, dass es am Ende genau zwei mögliche Regierungskonstellationen gibt, von denen ich nicht weiß, welche das größere Übel ist. Und die Tatsache, dass es sich um zwei Übel handelt, macht die Wahl auch nicht gerade zu einem Besuch im Fantasialand. Das ganze wird ja eigentlich nur noch dadurch getoppt, dass wir jetzt schon wissen, wer die nächste Kanzlerin sein wird. Eine Frau, die Jakob Augstein im aktuellen Freitag mit Spinoza gleichsetzt und als „Frau ohne Eigenschaften“ bezeichnet. Na Prost Wahljahr!

Nun, aber was hilft es zu jammern über die deutsche Politik und ihre Uninspiriertheit. Wer was anderes will, soll es besser machen, sage ich immer. Es ist eben noch kein Obama vom Himmel gefallen, ach du liebes bisschen, was schwafele ich eigentlich hier für Platitüden vor mich her? Bevor das so weitergeht, möchte ich wenigstens noch mein persönliches Highlight aus diesem Wahlkampf melden (ja das gibt es wirklich) und dieses spielte sich in meiner Heimat, dem Uecker-Randow-Kreis ab. Dort nämlich hatte NPD die Laternenpfähle kurz vor der polnischen Grenze liebevoll mit der folgenden Botschaft zuplakatiert: „Polen-Invasion stoppen!“ Der  Landkreis hat daraufhin kurzerhand beschlossen, die Plakate abzuhängen, woraufhin die NDP mit Klage beim Verwaltungsgericht Greifswald reagierte und Recht bekam. Der Landkreis konnte nicht hinnehmen, dass es mit der deutschen Justiz so bergab gegangen sein soll, dass sie eine offensichtliche Volksverhetzung als freie Meinungsäußerung durchgehen ließ. Es begann ein schneller juristischer Marathon bis zum Bundesverfassungsgericht, an dessen Ende schließlich das rechtmäßige Abhängen der Plakate stand.

So, na dann mal ein schönes Wochenende und ein fröhliches Ankreuzen auf dem Wahlzettel. Eigentlich ist so eine Wahl ja wirklich ein Event. Das nächstemal kann’s aber bitteschön wieder ein bisschen mehr Entertainment sein.

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