Nach den Nazis kommen die Wölfe

Nach den Kommunalwahlen in sieben Bundesländern gibt es Grund, kurz  erleichtert aufzuatmen. Die NPD hat ihren erhofften Siegeszug nicht gehalten, auch wenn sie in etliche Kommunalparlamente eingezogen ist. Dies konnte sie aber auch nur deshalb schaffen, weil die Fünf-Prozent-Klausel diesmal nicht galt. In der Krise laufen die Menschen nicht wie befürchtet in Massen zu den Rechtsextremen über. Von der Agenda 2010 der Schröder-Regierung wurden sie damals jedenfalls stärker in ihre Arme getrieben.

Auch aus Löcknitz im Uecker-Randow-Kreis gibt es eine gute Nachricht. Es wird dort keinen NPD-Bürgermeister geben. Lothar Meistring (Die Linke) bleibt im Amt. Das Örtchen an der deutsch-polnischen Grenze hatte immer wieder für Schlagzeilen gesorgt, weil die NPD dort mit antipolnischen Ressentiments hausieren ging – und bei einigen Bürgern damit auch Erfolg hat. Bei der Mehrheit allerdings offenbar nicht.

Besorgniserregend bleibt natürlich die konstante Zahl an NPD-Stammwählern vor allem in der ostdeutschen Provinz. Auch wenn es landesweit nur 2 bis 3 Prozent sind, sie sind immer dabei, wenn zur Wahl aufgerufen wird. Und in einzelnen Kommunen schaffen sie es dann eben doch, zweistellige Werte zu erzielen und  vereinzelt sogar drittstärkste Kraft hinter der CDU und der Linken zu werden – wie zum Beispiel in Ueckermünde und Löcknitz.

Dieses Phänomen ist nun aber wirklich nicht neu. Seit Jahren beobachten Sozialwissenschaftler, Politiker, Journalisten die Übernahme ganzer Landstriche durch Rechtsextreme. Das Konzept der „national befreiten Zone“ geht offenbar in einigen Siedlungen auf – auch wenn diese Siedlungen manchmal nur 100 Einwohner haben.

Es ist erschreckend wie simpel: die NPD hat dort Erfolg, weil sie Kinderfeste veranstaltet, weil sie bekannte Köpfe aus der Region hat und weil ihr Wahlkampf großflächig, polarisierend und penetrant ist. Und dann ist da eben noch die traurige Wahrheit, dass in diesen Ecken der ostdeutschen Provinz viele gebildete und qualifizierte Menschen weggegangen sind – Menschen, die sich sonst für die Zivilgesellschaft und für die Politik engagiert hätten. So ist es dann eben möglich, dass Leute wie Udo Pastörs oder Tino Müller, deren Horizont noch nicht mal über das Stettiner Haff reicht, sich als Messias aufspielen können, ohne dass ihnen jemand ernsthaft Paroli bietet – auch wenn das intellektuell kein Kraftakt sein dürfte.

Solange die anderen Parteien ihre Politik weit weg in der Landeshauptstadt machen und in den Dörfern und Kommunen außerhalb des Wahlkampfes praktisch unsichtbar sind, wird sich daran aber leider nichts ändern. Der braune Bodensatz wird sich verfestigen und nur das langsame Aussterben der Provinzbevölkerung wird ihm irgendwann den Garaus machen. Nach den Nazis heulen dann nur noch die Wölfe.

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