Stecker steckt

Ich habe viel nachgedacht und weil ich so viel nachgedacht habe, habe ich nichts mehr geschrieben. Da war nichts, was unbedingt rausmusste, anders als bei ungefähr einer Million anderer Menschen, die ich täglich stattdessen gelesen habe, im Netz, in Zeitungen, in Büchern und mich dabei gefragt habe: warum haben die eigentlich alle ständig was zu sagen?

Irgendwann hatte ich dann das Gefühl, dass es anderen auch so geht, dass sie auch um Worte ringen, ihnen nichts mehr einfällt, zur Lage der Nation oder zu ihrer eigenen. Oder dass sie wütend darüber wurden, dass niemand sie noch lesen wollte und sowieso keiner zuhört, aber ein Wunder war das auch nicht, denn wenn alle reden, wer soll da noch zuhören? Es wurde zu einer Art Trend, den Stecker zu ziehen, Facebook-, Twitter-, Internetabstinenz.

Ich habe den Stecker nicht gezogen, im Gegenteil, ich war die ganze Zeit dabei und habe mich immer weiter vom Lärm betäuben lassen. Von Wutbürgern, Was-zu-sagen-habern und Wichtigtuern habe ich mich ablenken lassen von dem, was ich eigentlich beim Lesen und Schreiben mag: Die Schönheit der Gedanken und Worte. Überraschende Einsichten, gelungene Kompositionen, Poesie, Geist.

Ganz langsam kommt das alles zurück, ich empfinde wieder den Unterschied. Und ich mag das.

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