Baut auf, baut auf

Warum bauen Menschen Flughäfen, Wolkenkratzer oder Supertanker? Weil sie es können. Wie emsige Ameisen wühlen sie ständig Landschaften um, bauen, errichten, überqueren und machen alles höher, schneller und weiter. Der Hang zum Gigantismus scheint  uns innezuwohnen.

Der Mensch will mehr sein, als er ist und er will, dass etwas von seiner kümmerlichen Existenz in etwas größerem, schwererem und haltbarerem weiterlebt. Dass so ein Größenwahn auch schief gehen kann, wissen wir nicht erst seit Leonardo di Caprio von der Titanic an den Meeresboden gezogen wurde. Wer hoch baut, kann tief fallen. Noch darüber hinaus zieht er Neider auf sich, die ihm seine Größe strittig machen wollen. Ein Prinzip, das wir auch aus dem Sandkasten kennen. Am Ende gab es immer ein Kind, das unsere mühsam errichtete Sandburg mit Tunneldurchgang und Türmchen mit einem Fußtritt böswillig zerstört hat.

Wer also Großes schafft, muss immer mit Anfeindungen rechnen, vielleicht ist so die Sturheit zu erklären, mit der die Bauherren dieser Welt ihre irren Phantasien immer wieder auch wider besseren Wissens durchsetzen wollen und auch keinem vernünftigen Argument mehr zugängig sind. Denn Argumente gegen das Großprojekt sind immer Argumente der Fortschrittsverweigerer und Neidhammel, sei es nun bei Stuttgart 21, beim Berliner Großflughafen oder beim Burj Al Arab. Dass die schiere Größe einigen Menschen aus vielen guten Gründen auch Angst macht oder in Rage versetzt, können oder wollen sie nicht verstehen, denn der Verstand setzt bei dem Gedanken, unendlich zu sein, selbstverständlich aus.

Wem könnte man es verdenken? Das Leben ist endlich und bis zur Beerdigung ist es für die meisten eine lange Zeit voller leerer Sekunden, die gefüllt werden müssen. Wie könnte man das besser tun, als mit ständigem Aufbauen, im Idealfall mit einem Bauwerk, von dem noch Generationen nach einem etwas haben (und wenn es nur die Milliardenschulden sind). Wenn es dann steht, ist der Ärger ja meistens sowieso vergessen, denn dann schauen sie alle auf das Werk und rufen “Aah” und “Ooh” und spätestens dann ist es an der Zeit, das nächste Großprojekt zu planen. Auf das die Landschaften weiter blühen.

 

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