“Berlin lag immer zu nahe”

In Berlin leben Künstler, Schriftsteller, Schauspieler, Musiker, Designer und andere Kreative. Viele von ihnen kommen nicht ursprünglich von hier, sondern sind echte Provinzkinder, die aus Dörfern oder Kleinstädten stammen und dort meist ihre ganze Kindheit und Jugend verbracht haben. Was hat sie dazu bewegt, die Provinz zu verlassen und in die Großstadt zu ziehen? Wie ist ihr Verhältnis zur alten Heimat heute? Wie inspiriert sie sie? Und wieviel davon steckt noch in ihnen? Das hat mich interessiert und deshalb habe ich angefangen, einige von ihnen zu fragen. Zum Beispiel Judith Zander.

Judith Zander

Judith Zander

Seit Sommer 2009 wohnt Judith Zander in Berlin. Ursprünglich stammt sie aber aus Anklam, einer Stadt mit immerhin noch rund 13.000 Einwohnern, wo sie 1980 geboren wurde und bis zum Studium lebte. In ihrem Roman “Dinge, die wir heute sagten” beschreibt die Autorin das Leben in einem vorpommerschen Dorf, irgendwo abgelegen im Nirgendwo. Ein Dorf, wie es viele in diesem Landstrich gibt, und in denen nach und nach das Licht ausgeknipst wird. Ich habe Judith ein paar Fragen per Mail geschickt und sie hat sie schriftlich beantwortet.

Wie kam es, dass Du in Berlin gelandet bist?

Ich habe vorher in Leipzig gewohnt, so lange, bis fast alle meine Freunde nach Berlin gezogen waren und ich merkte, dass ich nicht in einer entleerten Stadt leben möchte. Auch waren sieben Jahre Sachsen erst mal ausreichend.

Wolltest Du schon immer hier leben?

Nein. Es lag zu nahe.

Ist Dein zu Hause hier oder dort, wo Du herkommst?

Sowohl als auch. Weder – noch.

Welches sind die markantesten Unterschiede zwischen Berlin und dem Ort, aus dem Du stammst?

Die Unterschiede sind in erster Linie in jeder Hinsicht quantitativer Art. Daraus ergeben sich die qualitativen.

Welcher Brauch wird in Deiner Heimat gepflegt?

Goldkrone.

In welchen Situationen wird Dir bewusst, dass Du aus der Provinz stammst?

Wenn ich in der Provinz bin und es mir auf die eine oder andere Weise immer noch nicht egal ist, wie die Leute mich angucken.

Gibt es in deiner Wohnung Andenken an zu Hause?

Da ich in meiner Wohnung zu Hause bin: ja.

Wie inspiriert Dich Dein Herkunftsort? Beeinflusst er Deine Arbeit?

Ja. Wenn er zu etwas gut ist, dann dazu.

Was fehlt in Berlin?

Das Meer. Menschenleere Landschaft.

Was fehlt in Deiner Heimat?

Alles andere.

Welches ist Dein Lieblingsbezirk?

Ich bin gegen Provinzialisierung.

Warum?

Sie pflegt ein inzestuöses Verhältnis zur Doofheit.

An welchem Ort auf der Welt würdest Du am liebsten leben?

Dass ich darüber nicht nachdenke, zeigt vielleicht, dass ich nicht am völlig falschen Ort bin.

 

8 Kommentare

Filed under Fremdgespräche

8 Responses to “Berlin lag immer zu nahe”

  1. Das ist ja wohl mal eine Superidee! Spannend und interessant. Freue mich auf die nächsten Landkinder (bin ja auch eines, wenn auch nicht in Berlin). Viel zu wenig Zeit zum Lesen …

  2. Pingback: Too much information » Guten Morgen

  3. Pingback: Glanzlichter 67 « … Kaffee bei mir?

  4. Pingback: Glanzlichter: Kassettenrekorder, Möchtegern-Sheriffs und das Fußvolk — CARTA

  5. pierre

    warum reist Ihr alle um das Glück zu finden?

  6. provinzkind

    Pierre, wer spricht von Reisen? Es geht ums Auswandern!

  7. tolaya Bollywood célébrités sont souvent connus pour être associés à des causes qu’ils croient sorrypo et Save the Girl

  8. Pingback: Too much information - Moin - Guten Morgen

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