Dreikampf

Dass der Feminismus nicht tot ist, sollte jedem aufgefallen sein, der heute mal in ein Internet geschaut hat (zum Beispiel hier). Es ist Frauentag. Weltfrauentag. Der 100. Ein guter Tag und ein wichtiger Tag. Aber auch ein Tag der Ambivalenz. Weil es so viel gibt, das Frauen schon erreicht haben. Und noch viel mehr, was sie noch nicht erreicht haben.

Überall auf der Welt kämpfen Frauen für ihre Rechte. Das Recht auf Überleben, das Recht, körperlich unversehrt zu bleiben, das Recht, mehr zu sein, als genetischer Ausschuss mit Reproduktionsfunktion. Das Recht zu studieren, zu wählen, mitzubestimmen, ein Konto zu eröffnen, sein eigenes Leben zu gestalten, gehört zu werden, nicht blöd angemacht zu werden. Und das Recht, genauso viel zu verdienen, wie der Kollege, das Recht, Chefin zu sein, das Recht, auch mal zu versagen, beruflich oder privat.

Aber bei all den Äußerungen starker Frauen, all den Erfolgsgeschichten, all der Kampf- und Revolutionsrhetorik an diesem Tag könnte man leicht übersehen, dass das mit dem Kämpfen nicht so einfach ist. Es ist vielleicht der schwerste Kampf den ein Mensch führen kann. Den Kampf für seine eigenen Rechte, für seine eigene Freiheit. Weil er sich zunächst einmal bewusst werden muss, dass er diese Rechte überhaupt hat. Etwas, was einem zusteht, kann man sich erst nehmen, wenn man weiß, dass es einem zusteht. Und wie viele von uns wissen das nicht. Wie viele trauen sich noch nicht mal, Forderungen zu stellen. Wie viele – vor allem junge Frauen – glauben, gleichberechtigt zu sein, obwohl sie es nicht sind. Und es nie sein werden.

Es ist ein doppelter Kampf. Es ist ein Kampf gegen die eigene Zaghaftigkeit und ein Kampf gegen die Umstände da draußen: die Ignoranz, die Arroganz, den Sexismus. Dass dieser Kampf schlaucht, das kann man hier besonders schön nachlesen.

Umso bewundernswerter ist es, dass es Frauen auf der ganzen Welt gibt, die nicht nur den doppelten sondern sogar den dreifachen Kampf auf sich nehmen. Es kommt dann nämlich noch der Kampf für all jene Frauen hinzu, die nicht kämpfen, die es nicht wagen, weil sie nicht können oder weil sie nicht wollen. Weil ihnen die Kraft fehlt und der Mut und die Wut. Es bringt nichts, wie Bascha Mika, mit dem Finger auf diese Frauen zu zeigen und zu sagen. “Selbst Schuld, ihr blöden Hühner!” Denn ob jemand kämpft oder nicht, ist immernoch seine eigene Entscheidung und wer für Freiheit kämpft, sollte auch freie Entscheidungen akzeptieren.

Weil es diese Frauen gibt, die den Dreikampf eingehen, gibt es Hoffnung, dass in vielen Jahren, vielleicht so in 100, die Frauen auf dieser Welt dieselben Rechte haben wie die Männer. Ich möchte, auch wenn das pathetisch klingen mag, mich bei diesen Dreikämpferinnen bedanken. Dafür dass sie da sind und all das für uns tun. Weil ich weiß, dass auch mir manchmal Kraft und Mut und Wut fehlen.

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