Gründungs- und andere Mythen

Und? Hat geklappt mit dem Frühling, oder?

Provinzkind: Haaaaaaaaaach…jaaaaaaaaaaa…jetzt isser da!

Und wie fühlt es sich an?

Provinzkind: Als wenn man wieder neu laufen lernt. Ich traue dem Frühling ja noch nicht so ganz über den Weg. Gestern abend habe ich schon das erste Mal draußen gesessen und Bier getrunken. Es fing an zu regnen aber meine Freundin M. und ich entschieden, dass reingehen auf gar keinen Fall eine Option sein kann. Wir mussten die Wärme ganz und gar auskosten, in uns aufnehmen, um zu spüren, dass es echt ist

Wie philosophisch. Und welche Erkenntnis hat der Abend noch gebracht?

Provinzkind: Wir konnten uns nicht so ganz einigen, ob zu viel Arbeit zwangsläufig Selbstausbeutung bedeutet oder etwas mit freier Entscheidung zu tun hat. Ich plädierte für Letzteres, sie für Ersteres.

Ich würde auch sagen, Ersteres.

Provinzkind: Ich finde, wenn man etwas gerne tut, dann kann man auch durchaus zu viel davon tun. Wichtig ist ja nur, dass man zwischendurch nicht vergisst, dass es auch noch etwas anderes im Leben gibt, außer Arbeit. Was mir allerdings nie passieren könnte….

Weil Du von Natur aus faul bist?

Provinzkind: Sagen wir mal so: ich kann mich gut entspannen!

Na gut, aber ihr habt doch bestimmt nicht nur über die Arbeit geredet oder?

Provinzkind: Nein.

Nun lass Dir nicht alles aus der Nase ziehe. Was ist mit Männern?

Provinzkind: Die saßen auch draußen. Nee, im Ernst, natürlich waren die auch ein Thema.

Und?

Provinzkind: Nix und. Ich stellte die gewagte These auf, dass jede Beziehung einen Gründungsmythos braucht. M. fand das gut. Ich wiederum fand gut, wie sie  geistreiche Sätze mit dem Typen am anderen Ende des Tisches austauschte. Das konnte sie definitiv besser als ich.

Was war denn da los?

Provinzkind: Ich war müde.

Zu viel gearbeitet, hm?

Provinzkind: Hm.

Hast Du eigentlich schon Deine Steuererklärung gemacht?

Provinzkind: Man, was für’n harter Bruch…

…und hast Du?

Provinzkind: Nö. Gerade rief mich meine Freundin N. an und sagte, dass sie dieses doofe Steuerprogramm ausgefüllt hat. Am Ende sollte sie noch 40 Euro nachzahlen, obwohl sie angestellt ist und immer brav Steuern zahlt. Ihre Worte waren: das ist ja als wenn man einen schlägt und dann nochmal schlägt! Ich finde, das brachte es präzise auf den Punkt.

Scheißthema.

Provinzkind: Ja. Andererseits total wichtiges Thema, Steuern und so. Gerade jetzt, wo wir wieder 80 Milliarden Euro Schulden dazubekommen haben…

Ich mag nicht dran denken. Tu ich auch nicht.

Provinzkind: Ich auch nicht.

Fährst Du eigentlich zur Leipziger Buchmesse?

Provinzkind: Nee, keine Lust. Ich mag zwar Bücher, aber ich mag keine Messen. Da läuft man den ganzen Tag rum und isst ungesundes Zeug.

Aber willst Du nicht mal Helene Hegemann live erleben?

Provinzkind: Helene Hegemann und Lena Meyer-Landrut. Zwei Mädchen aus ein und derselben Generation. Und doch so unterschiedlich. Was mal wieder zeigt, dass es Generationen eigentlich gar nicht gibt. Und um Deine Frage zu beantworten. Nein, will ich nicht. Das arme Mädel tut mir ein bisschen leid.

Sie ist erfolgreich, hat ein gefeiertes Romandebüt (ab)geschrieben und wird vermutlich nicht wenig Kohle damit verdienen. Wozu das Mitleid?

Provinzkind: Ich glaube, sie ist einfach nur ein trauriger Teenager. Bei den meisten geht das vorbei. Bei ihr bin ich mir da nicht so sicher.

Und jetzt?

Provinzkind: Ja, der Himmel zieht sich gerade zu. Dabei wollte ich heute das erste Mal im Jahr ein paar Runde laufen. Jetzt bleibt mir nur noch putzen. Ich wusste doch, dass das mit dem Frühling nicht….

….man jetzt hör doch mal auf, übers Wetter zu reden!

Provinzkind: Ja, ist ja schon gut.

Na dann, bis dann.

Provinzkind: Bis dann.

Hinterlasse einen Kommentar

Filed under Ichgespräche

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>